Brandsozietät für das Herzogtum Westfalen am Beispiel Remblinghausens


Ein Erlass des Kurfürsten Maximilian Friedrich vom 20.6.1778 bestätigte die Errichtung einer Brandsozietät für das Herzogtum Westfalen. Aufnahmepflichtig waren alle Gebäude von Einwohnern, die den Landessteuern unterworfen waren. In den einzelnen Ortschaften des Herzogtums errichtete man 1779 Brandkataster, in denen alle Gebäude mit ihrem Taxationswert eingetragen wurden.

Das Kirchspiel oder Gericht Remblinghausen umfasste 1783 einschließlich der kirchlichen und adeligen Gebäude insgesamt 88 Wohnhäuser, 57 Backhäuser und 204 Nebengebäude. Davon lagen im Kirchdorf selbst 32 Wohnhäuser, 15 Backhäuser und 45 Nebengebäude. Zum Vergleich sei die Anzahl der Wohnhäuser des Kirchspiels im Jahre 1905 angegeben, die damals 196 betrug.

 

Der erste Brandfall nach Einrichtung der Brandsozietät im Kirchspiel betraf das Backhaus des Knoche, später Kersting, zu Köttinghausen, wofür Knoche 5 Reichstaler erstattet wurden. Backhäuser waren naturgemäß besonders gefährdet und gehörten oft zu den aufgetretenen Schadensfällen.

Am 30. Mai 1782 brannte das Wohnhaus (Tax.-Wert 110 Reichstaler), das Backhaus (35 Reichstaler), ein Schuppen (10 Reichtaler) und der Schafstall (15 Reichstaler) des Wrede zum Einenhaus, später Schemme-Einhaus), bis auf den Grund nieder. Hierbei kamen zwei Füllen, sechs Schweine und drei Rinder in den Flammen um. Zunächst baute der Wrede das Backhaus wieder auf, um bereits im Sommer wieder darin wohnen zu können; auch traf er bald Anstalten zum Wiederaufbau des Wohnhauses.

Die Brandkasse erstattete 170 Reichstaler, also den vollen Taxationswert. Im gleichen Jahr ist das Backhaus des Eingesessenen und Gerichtsschöffen Stratmann zu Löllinghausen, das zu 10 Reichstaler taxiert war, abgebrannt und wurde 1783 neu gebaut. Kurz bevor die neue Poststraße durch das Hennetal fertiggestellt war, wodurch das kleine Mielinghausen aus seiner bisherigen Abgeschiedenheit heraustrat, geriet am 23.1.1790 das Wohnhaus des Fuchte zu Mielinghausen, später Kotthoff, in Brand. Das Gebäude war im Kataster zu 330 Reichstaler taxiert. Der Maurermeister Caspar Abshoff aus Meschede schätzte den Wert des stehen gebliebenen Mauerwerks auf 15 Reichstaler, die von der auszuzahlenden Versicherungssumme abgezogen wurden. Am 21.4.1790 bescheinigte der Gerichtsschöffe Albers dem Fuchte, dass er nicht nur alles Holz zu dem neuen Hause auf dem Zimmerplatz vorrätig und sechs Zimmerleute in Arbeit habe, sondern auch das neue Haus in der Woche nach Pfingsten wirklich errichten lassen wollte. Am 2.7.1790 war das Haus errichtet und bereits unter Dach. Eine Inschrift an dem Gebäude lautete : Anno 1790, den 11. Mai, haben wir Joh. Wilh. Fuchte und Maria Elis. Knipschilt dies Haus auferbauen lassen.

Im Winter 1790/91 war Braukmanns zu Löllinghausen Backhaus abgebrannt, das im Sommer 1791 neu gebaut wurde. Die Brandkasse erstattete 10 Reichstaler. Im gleichen Jahr erhielt der Schulte zu Wulstern 40 Reichstaler für erlittenen Brandschaden. Ende 1793 musste der Gerichtsschöffe Schulte zu Drasenbeck bescheinigen, dass das Backhaus von Fuchte in Mielinghausen am 14.11.1792 abgebrannt war, aber bereits völlig wieder hergestellt sei. Der Schaden wurde mit 12 Reichstalern vergütet, während der Tax-Wert 20 Reichstaler betrug.

Am 12. Dezember 1796 brannte das Wohnhaus (130 Reichstaler) und ein Schafstall (20 Reichstaler) des Schulte zu Vellinghausen bis auf den Grund nieder. Drei weitere Nebengebäude blieben vom Feuer verschont. Bereits Ende Januar 1797 hatte der Schulte sehr viel Holz für den Wiederaufbau gefällt und auch weitere Anstalten für ihn getroffen. Daher konnte am 16.6.1797 der kurfürstliche Richter Pape zu Meschede bescheinigen, das der Schulte sein Wohnhaus und den Schafstall völlig wieder aufgebaut habe.

Die Aufzählung der Brandfälle im Kirchspiel Remblinghausen von 1780 bis 1802 schließt mit dem Wohnhaus des Johann Henke, genannt Beermann, zu Remblinghausen, das am 7.2.1799 bis auf den Grund eingeäschert wurde. Schon am 26. Februar war Johann Beermann mit dem Herbeifahren von Holz und sonstigen Baumaterialien zur Errichtung des neuen Hauses beschäftigt. Am 31.5.1799 erfolgte die gerichtliche Bescheinigung, dass der Beermann sein jüngst erbautes Haus nunmehr völlig stehen habe.

Aus der Brandkasse wurden 130 Reichstaler bezahlt.

Als 1803 das Herzogtum Westfalen an Hessen kam, wurde die Brandversicherung weitergeführt und durch verschiedene Reformen bedeutend verbessert.