die Ortsgeschichte Remblinghausens ...
Kirchspiel (politische Gemeinde) Remblinghausen
Das Kirchspiel Remblinghausen, selbständige Gemeinde bis zum Eintritt in die neue Stadt Meschede (1975), umfasst außer dem Kirchdorf Remblinghausen noch 19 Dörfer und Einzelhöfe. Nur wenige Landgemeinden des ehemaligen Kreises Meschede konnten ihr altes Siedlungsbild und die Grundlagen ihres wirtschaftlichen Lebens ziemlich unverändert bis zur Gegenwart erhalten. Durch den Bau von Eisenbahnen und die Ansiedlungen neuer Industriezweige entstanden vielfach in den alten Gemeinden neue Schwerpunkte, die - wie in Calle und Velmede - das Kirchdorf aus seiner früheren zentralen Stellung verdrängt haben. Im Kirchspiel Remblinghausen sind solche Einflüsse bisher nicht wirksam geworden. Wie schon seit Jahrhunderten sind immer noch die Bauernhöfe und die Landwirtschaft wichtige Faktoren im Leben der Gemeinde, wenn auch heute ein großer Teil der Bevölkerung seinen Lebensunterhalt auswärts sucht.
Das 13. Jahrhundert ...
Im Heiligen Römischen Reich herrschte der Stauferkaiser Friedrich II.. Auf dem erzbischöflichen Stuhl in Köln saß Konrad von Hochstaden, Hauptgegner der Staufer auf Seiten der päpstlichen Partei. Von der festen Burg Arnsberg behauptete Graf Gottfried III. mit Erfolg sein kleines Territorium gegen die kölnischen Erzbischöfe, die die Grafschaft Arnsberg mit einem Kranz befestigter Städte und wehrhafter Burgen regelrecht einkreisten und bedrängten. Und in eben diesem 13. Jahrhundert, als man die ersten Universitäten in Frankreich und Italien errichtete, als in aufblühenden Städten allenthalben ein selbstbewußtes Bürgertum führende Stellungen eroberte und hansische Kaufleute einen geradezu modernen Wirtschaftsraum schufen, wird ganz nebenbei und eigentlich mehr zufällig zum erstenmal der Name Remblinghausen - Remelinchusen - in einer Urkunde geschrieben, von der noch nicht einmal genau zu sagen ist, ob sie 1241 oder 1242 zu Pergament gebracht worden ist. In einem Rechtsstreit zwischen dem Kloster Bredelar und dem Ritter Konrad von Visbeck vermittelte der kölnische Marschall von Westfalen, und weil man in Gegenwart der Äbtissin Jutta vom Stift Meschede die Verhandlung führte, brachte die Äbtissin, wie es damals üblich war, ihre glaubhaften und zuverlässigen Zeugen mit, und einer davon ist ?Sifridus de Remelichusen? - Siegfried von Remblinghausen, Ministeriale und Lehnsmann auf dem Haupthof des Stifts Meschede, wie mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. Natürlich darf man davon ausgehen, dass eine dauerhafte Besiedlung schon wesentlich früher ihren Anfang genommen hat. Im Jahre 1962 wurde eine tadellos erhaltene Arbeitsaxt auf Remblinghauser (Horbacher) Flur bei Feldarbeiten entdeckt. Das Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster datierte das Werkzeug in das 3. Jahrtausend vor Chr., in die jungsteinzeitliche Kultur: Ein Beweis dafür, dass Menschen in der Gegend lebten und anfingen, dem kargen sauerländischen Boden Nahrung und Existenz abzugewinnen. Aber über diese Anfänge gibt es keine schriftliche Überlieferung. Vermutungen über die Herkunft des Namens Remblinghausen bleiben daher unhistorische Hypothesen. Keinesfalls hat der oben genannte Sifridus als Namensgeber zu gelten. Eher dürfte es umgekehrt sein: Sifridus hatte seinen Wohnsitz in Remblinghausen; er war deshalb ?de Remelichusen?. Der Ort ist also ohne Zweifel verhältnismäßig alt, aber es fehlt an positiven Anhaltspunkten für eine Datierung. Die schriftliche Überlieferung Remblinghausens beginnt wie oben berichtet 1242 mit dem Namen "Sifridus de Remelichusen", Ministeriale und Lehnsmann auf dem Haupthof des Stifts Meschede (heute Cloidts Hof). 1314 erscheint es als Remelinchusen, das der Pfarrort für den Haupthof Drasenbeck ist. Die nähere Geschichte der politischen Gemeinde Remblinghausen, des Kirchspiels Remblinghausen, ist jahrhundertelang eng mit dem Stift Meschede verknüpft gewesen. Remblinghausen lag ursprünglich im Bereich der Urpfarrei Velmede - (Meschede war keine Urpfarrei) - aus der sich die Pfarreien Brilon, Bigge und Calle, fernerhin auch Eversberg und das Landkirchspiel Meschede abgezweigt hatten. Wenngleich die Pfarrei Remblinghausen offenbar von der Urpfarrei Velmede ihre Herkunft genommen hat, so ist dennoch nicht zu verkennen, dass der regionale Vorrang des Stifts Meschede schon bald an Einfluss gewonnen hat. Seit dem Mittelalter ist die Geschichte des ganzen Kirchspiels eng mit diesem Damen- bzw. Kanonikerstift verknüpft gewesen. Wenn man das sog. Arnsberger Lagerbuch von 1599 zugrundelegt, befanden sich im 16. Jahrhundert etwa zwei Drittel aller Höfe des Kirchspiels Remblinghausen in der besitzrechtlichen Situation, Lehen des Stifts Meschede zu sein, das hieß konkret: Lehnstreue, Dienste und Abgaben zu leisten nach festen Regeln und Gewohnheitssätzen, die erst um 1803 aufgehoben wurden. Lehnbriefe der Propstei Meschede werden noch in vielen Häusern aufbewahrt. Die Propstei Meschede hatte jahrhundertelang das Recht, die Stelle des Pfarrers in Remblinghausen zu besetzen. Dieses Präsentationsrecht blieb bis zur Säkularisation (1803) erhalten. Nach der Aufhebung des Stifts Meschede war der letzte Propst, Johann Nepomuk Graff, bis zu seinem Tode 1821 Pastor von Remblinghausen und Landdechant der Mescheder Christen. Darüber hinaus muss man als weiteren Lehnsherrn, dem man in der Gemeinde Remblinghausen zu Treu und Eid verpflichtet war, auch das im Jahre 1072 durch Erzbischof Anno von Köln gegründete Kloster Grafschaft nennen, zu dessen Lehnsherrschaft der Berghof, der Sachtenhof, der Kamphof und geringfügige Zehntabgaben in Löllinghausen, Baldeborn und Vellinghausen zu rechnen sind. Auch hatte das ebenfalls von Anno gegründete Mariengradenstift in Köln mit gewissen Dienstleistungen aus dem Schultenhof in Vellinghausen Lehnsrechte. Recht nahe Beziehungen bestanden zu einigen sauerländischen Klöster, namentlich Rumbeck und Oelinghausen, weil in ihnen mehrmals Töchter aus Remblinghauser Adelsfamilien Aufnahme gefunden haben. Ganz besonders ist an das in der Nähe von Meschede gelegene Kloster Galiläa zu erinnern, ein Dominikanerinnenkonvent, der 1483 durch eine fromme Stiftung der Familie von Beringhausen fundiert wurde. Ferner gab es drei freiadelige Rittergüter: das Haus Remblinghausen (siehe Rittergut Remblinghausen) samt dem Berghof sowie die Güter Baldeborn und Beringhausen, die mit Sitz und Stimme Mitglied der Landständischen Versammlung waren. Sie sind jedoch alle im 19. Jahrhundert an freie Bauern veräußert worden.Blüggelscheidter Höfe
Die Bauern der Blüggelscheidter Höfe galten noch im 16. Jahrhundert als Eigenbehörige des Ritterguts Beringhausen, d. h., sie lebten in gemilderter Form der Leibeigenschaft, aus der sie im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts durch die Besitzer des Hauses Beringhausen freigesprochen wurden.
Die Löllinghauser Höfe ...
... galten - mit einer Ausnahme - als Freigüter: Die Besitzungen wurden nicht zu Lehen ausgegeben und deshalb auch nicht mit den daraus folgenden Diensten und Abgaben belastet. Als Freigüter unterstanden diese Höfe nicht dem Richter des Kirchspielgerichts Remblinghausen, sondern ihre Gerichtssachen wurden vor dem kaiserlichen Freistuhl Eversberg unter Vorsitz eines Freigrafen verhandelt. Natürlich oblag auch den Freigütern die landesherrliche Steuerpflicht: Sie zahlten Schatzungen, entrichteten Korn- und Viehabgaben oder leisteten Fuhrdienste für das kurfürstliche Schloss in Arnsberg.
Die o. a. Ausnahme war das Mühlengut, welches bereits im 14. Jahrhundert urkundlich im Bestand der Grafschaft Arnsberg erwähnt wurde. Im Jahre 1494 wurde es durch Johann Rump, Besitzer des Hauses Remblinghausen, an Rotger Molner verkauft und war seit mindestens 1586 ein Lehen des Propstes zu Meschede. Die Lehnsbriefe der Mescheder Pröpste für die Löllinghauser Mühle sind nahezu lückenlos erhalten geblieben.
Über die Ursprünge der Rittergüter weiß man heute, dass sie zumeist aus größeren Höfen entstanden sind, deren Besitzer Ministeriale waren, d. h. unfreie Dienstleute weltlicher oder geistlicher Herren. Im Laufe der Zeit stiegen die Ministerialen in den niederen Adel auf, den sog. Dienstadel. Im Herzogtum Westfalen war der Adel seit dem Ausgang des Mittelalters u. a. mit folgenden Privilegien ausgestattet: Dem Privileg der Steuerfreiheit und dem Recht, an der Landständischen Versammlung in Arnsberg. Zusammen mit den Vertretern der Städte besaß dieses Gremium seit der Erblandvereinigung von 1437 die verbriefte Möglichkeit, selbständige politische Entscheidungen - unter Umständen sogar gegenüber dem Landesfürsten - durchzusetzen.
Bei der Erblandesvereinigung vom 10. Oktober 1437, die das erklärte Ziel anstrebte, sich den kölnischen Herrschaftsplänen und Machtansprüchen zu widersetzen, sind unter den Teilnehmern der Ritterschaft die Gebrüder von Beringhausen, der Johann (Henneke) von Baldeborn und Albert von Remblinghausen. In Remblinghausen gab es also drei Rittergüter mit Sitz und Stimme in der Landständischen Versammlung. Dass die Interessenvertretung nicht immer zugunsten der einfachen bäuerlichen Bevölkerung geschah, wird zumindest erkennbar an den Reformbestrebungen im Zeitalter der Aufklärung durch Kurfürst Maximilian Franz (1784 - 1801).
Die drei adeligen Rittergüter Baldeborn, Beringhausen und Remblinghausen sind ausnahmslos im 19. Jahrhundert durch Verkauf in bäuerlichen Besitz übergegangen. Im Anschluss an die Reformen des Freiherrn von Stein und die hessische Kolonatordnung im Jahre 1809 konnten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch in der Gemeinde Remblinghausen die Bauern ihre alten Verpflichtungen ablösen - häufig nur in erbitterten Prozessen gegen die bisherigen Grundherren oder Lehnsträger.
Im Laufe der Jahrhunderte ist die Gemeinde Remblinghausen nicht von Bedrängnis und Zerstörung bewahrt geblieben: Hexenprozesse und Brandschatzungen in der Zeit um 1640, der Siebenjährige Krieg mit harten Kontributionen. Durchmärsche von Truppen in den Jahren der Napoleonischen Kriege um 1800, schließlich die Kriegsereignisse im Frühjahr 1945 richteten verheerenden Schaden an. Im weiten Umkreis um das Kirchdorf liegen die großen und die kleinen Höfe, deren Besitz sich jahrhundertelang in der gleichen Familie vererbt hat. Einige sonderten sich als Einzelhöfe mit zusammenhängender Feldflur stolz von den übrigen ab, die Mehrzahl aber hat sich in Dörfern und Weilern zu kleinen Siedlungsgemeinschaften zusammengeschlossen. Allein 10 Ortschaften im Kirchspiel tragen die Endung -hausen (-haus), ein Zeichen, dass sie in einer bestimmten Periode der germanischen Ansiedlung geschaffen sind. Schon die mittelalterlichen Urkunden und Güterverzeichnisse nennen eine Reihe von Hofnamen, die uns heute noch vertraut sind. Fast alle haben der Zeiten Wechsel überdauert.
Vorsteher und Bürgermeister
Insgesamt 13 Namen nennt seit 1844 die Liste der Vorsteher und Bürgermeister in der ehemaligen Gemeinde Remblinghausen.
1844 - 1851 Heinrich Schulte, Drasenbeck1851 - 1863 Johann Bauerdick, Remblinghausen
1863 - 1871 Florenz Gockel, Remblinghausen
1871 - 1878 Jodokus Stratmann, Baldeborn
1878 - 1881 Wilhelm Kotthoff, Vellinghausen
1881 - 1887 Jodokus Stratmann, Baldeborn
1887 - 1894 Anton Albers, Frielinghausen
1894 - 1919 Wilhelm Gödde, Löllinghausen
1919 - 1929 Josef Schulte, Sägemühle
1929 - 1946 Wilhelm Kotthoff, Vellinghausen
1946 - 1948 Josef Kotthoff, Wulstern
1948 - 1952 Anton Rettler, Remblinghausen
1952 - 1975 Karl Heinemann, Horbach
