Die Glocken in der Pfarrkirche St. Nikolaus


Die Entwicklung der Türme gehört zu den interessantesten Kapiteln der kirchlichen Baugeschichte.

Ihr Ursprung liegt im Osten, vielleicht in Syrien, und leitet sich her aus den antiken Signaltürmen, die in christlicher Zeit benutzt wurden, um die Gebetszeiten zu verkünden. So übernahm sie auch der Islam als Minaretts für seine Moscheen.

In Italien bürgern sie sich als freistehender Campanile etwa im 8. Jahrhundert ein.

Eine höchst vielfache Entwicklung finden die Türme diesseits der Alpen, insbesondere nachdem sie mit hineinbezogen wurden in den Gesamtorganismus des Kirchenbaues.

Erste Hinweise darauf, dass auch die Freienohler Kirche einen Turm hatte, finden in einem Auftrag aus dem Jahre 1628 darüber, dass ein Turm an der Freienohler Kirche gebaut wird. Dies ist der erste Beleg dafür, dass die Kirche zu diesem Zeitpunkt Turm und Glocken hatte. Umgekehrt darf man daraus aber nicht den Schluss ziehen, dass die vorhandene Kirche keinen Turm gehabt hätte. Die bei den meisten Pfarrkirchen übliche Bestimmung, dass die politische Gemeinde für den Bau und Unterhalt des Turmes, der Glocken und der Turmuhr zu sorgen hatte (Identität von kirchlicher und politischer Gemeinde), da diese auch weltlichen Zwecken dienten, ging zweifellos auch in Freienohl auf ein altes Gewohnheitsrecht zurück.

1704 werden wieder Ausgaben für den "Klokthurm" geltend gemacht. Damit ist zum erstenmal belegt, dass der 1628 gebaute Turm ein Glockenturm ist und zumindest eine Glocke hatte.

1716 - Visitationsprotokoll: Die Kirche hatte einen Glockenturm ("Campanile") mit drei Glocken.

1771 Zwei neue Glocken werden angeschafft. Geweiht wurden sie vom Rumbecker Propst Engelbert Kunst.

1778 Eine der beiden Glocken, die 1771 angeschafft worden waren, sprang. Sie wurde neu gegossen von J. B. du Bois, Brilon, und trug die Inschrift "Die Lebenden rufe ich, die Gewitter breche ich, die Toten beweine ich. 1778". Demnach gab es 1778 fünf Glocken in St. Nikolaus

1842 Die zweite Glocke vom Guss aus dem Jahre 1771 wurde eingeschmolzen, weil sie ihren Dienst nicht mehr leistete.

1843 Die 1842 eingeschmolzene Glocke wird durch drei neue Glocken ersetzt. Je eine Glocke hatte die Inschriften auf Französisch, Deutsch und Latein:

  1.  "Fondue par J. B. du Bois en 1843" 
  2.  "Gegossen von J. B. du Bois im Jahre 1843"
  3.  "J. B. du Bois fecit anno 1843"

Die Glockengießerei du Bois befand sich in Brilon.

Am 14. März 1917 verlangt das Königliche Hochbauamt Arnsberg von Pfarrer Gerwinn Angaben über die Bronzeglocken für den "Kriegsbedarf":

  1. Bronzeglocke, Herstellung 1843 J.B. du Bois, 450 kg, Durchmesser 90 cm.
  2. Bronzeglocke, Herstellung 1843 J.B. du Bois, 310 kg, Durchmesser 80 cm,
  3. Bronzeglocke, Herstellung 1843 J.B. du Bois, 210 kg, Durchmesser 71 cm,
  4. Bronzeglocke, Herstellung 1696, Unbekannt, 58 kg, kein Durchmesser Inschrift: "Soli Deo Gloria Anno 1696" 
  5. Bronzeglocke, Herstellung 1778, Unbekannt, 150 kg, Durchmesser 63 cm

Die letzte, die kleinste Glocke, sollte der Kirche als Läuteglocke erhalten bleiben. Am 19. März 1917, im vorletzten Jahr des ersten Weltkrieges, entschloss der Kirchenvorstand sich, keine Einwendungen gegen die Beschlagnahme der Glocken geltend zu machen. und so wurden im Juni 1917 die Glocken von St. Nikolaus ein Opfer des Krieges. Drei dieser Glocken stammten aus dem Jahr 1843, eine noch aus dem Jahr 1696. Als Notbehelf wurde das Glöckchen aus der Küppelkapelle im Kirchturm angebracht.

Am 6. September 1919 nahm Pfarrer Gerwinn wegen neuer Glocken einen Briefwechsel mit der Firma Heinrich Humpert, Brilon, der Nachfolgerin von du Bois, auf. Wegen der rasant steigenden Rohstoffpreise konnte man sich allerdings noch nicht auf eine Herstellung / Lieferung einigen. Dies geschah erst am 18. August 1821. Im Jahre 1921 ließ Pfarrer Gerwinn in der Glockengießerei Humpert,

Brilon, vier neue Glocken mit den Tönen

  • g1 - Durchmesser 107 cm, 850 kg, - im Turm der Pfarrkirche (1921) Inschrift: "Regi saeculorum, Deo immortali et invisibili sit honor et gloria" [Dem König der Ewigkeit, dem unsterblichen und unsichtbaren Gott sei Ehre und Ruhm]
  • b1 - Durchmesser 90 cm, 520 kg, - Turm (1921) Inschrift: "Ave maris stella, Dei mater alma" [Sei gegrüßt, Meeresstern, hohe Mutter Gottes]
  • c2 - Durchmesser 80 cm, 350 kg, - Turm (1921) Inschrift: "Te Joseph celebrent agmina hominum" [Dich Joseph sollen feiern die Scharen der Menschen]
  • g2 - für den Dachreiter herstellen. Durchmesser 50 cm, 78 kg (1921) Inschrift: "St. Nicolae este nobis protector" [Hl. Nikolaus, sei unser Beschützer]

Die kleine Glocke wurde von den Schulkindern gestiftet. Die politische Gemeinde Freienohl stiftete 2.000 DM. Sie war dem Hl. Nikolaus geweiht. Am Vorabend vor Weihnachten des Jahres 1921 erklangen sie zum ersten Mal. Der Paderborner Domvikar und Domorganist Cordes fertigte das Gutachten zur Prüfung der drei Glocken an:

 "[...] Das Verhältnis der harmonischen Nebentöne zum Hauptton, wodurch sich bei Terz und Oberoktav der g-Glocke mit Hauptton der b-Glocke und Quint der c-Glocke eine Kongruenz ergibt [...]. Auch der sogenannte Hilfston fällt bei allen Glocken mit dem Hauptton zusammen [...]. Ein vollkommen reiner und harmonisch vollendeter Eindruck. [...] Der Ausklang ist ruhig und verhallt in lang anhaltender Schwebung."

Im März 1934 wird auch eine elektrische Läut-Anlage geliefert, die die Glocken durch gleichmäßigen Antrieb schonte und Glöckner überflüssig machte. Am 6. Mai 1940 musste ein Meldebogen für die Bronzeglocken ausgefüllt werden, wie schon im ersten Weltkrieg. Genannt wurden o. a. Glocken und zusätzlich die c- Durchmesser 30 cm, 15 kg - aus der Küppelkapelle. Pfarrer Gerwinn wies ausdrücklich darauf hin, dass die Glocken 1, 2 und 3 von Gemeindeangehörigen angeschafft worden seien, die vierte Glocke von der Volksschule.

Aber es nützte nichts. Leider mussten die drei größten dieser Glocken bald wieder verstummen. Nachdem ihr Geläut während des zweiten Weltkrieges auf Anordnung der Nationalsozialisten bereits wesentlich eingeschränkt worden war - angeblich wegen Übertönens der Sirene bei Luftgefahr -, mussten sie schließlich am 11. März 1942 ihr Metall für Geschützzwecke hergeben. Im Auftrag der Reichsstelle für Metalle nahm Bauunternehmer Kessler aus Oeventrop die drei großen Glocken ab. Bei der befohlenen Abgabe der Glocken, brauchten die Klöppel nicht mit abgegeben zu werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg bat die Firma Junker in Brilon (Nachfolgerin von Humpert und du Bois) Pfarrer Gerwinn um den Auftrag die neuen Glocken gießen zu dürfen. Die neuen Glocken

  1. Ton d - Durchmesser 140 cm, 1520 kg
  2. Ton f - Durchmesser 118 cm, 900 kg 
  3. Ton g - Durchmesser 105 cm, 650 kg 

die neue Jahreszahl 1945. Da die Klöppel der alten Glocken noch vorhanden waren, übernahm die Firma Junker sie. In eine der neuen Glocken wurde ein Klöppel der alten Glocke eingesetzt.

In der Nachkriegszeit hatte die Glockengießerei A. Junker Schwierigkeiten, die Metalle rechtzeitig zu bekommen. Aber am 25. April 1946 konnten zwei Glocken ( d und f) bei der Firma Junker abgeholt werden. Noch am selben Tag wurden sie von Dechant Knoke unter Assistenz von Pfarrer Gerwinn zu Füßen des Kirchturms geweiht. Ihr Geläut erklang zum erstenmal am Tage des goldenen Priesterjubiläums von Pfarrer Gerwinn am 5. Mai 1946.

Am 13. Juni 1946 konnte dann auch die g - Glocke abgeholt werden, aber sie klang blechern und die Firma Junker holte sie zurück. Am 8. August 1949 - Pfarrer Gerwinn war inzwischen im Ruhestand - war die Glocke noch immer nicht zurück in Freienohl. Erst nach Beschwerden von Pfarrverweser Pastuczyk bereitet Junker einen Glocken - Neuguss vor. Endlich, am 21. Juni 1950 wurde die g-Glocke geliefert und von der Firma Pöttgen eingesetzt.

Im Bereich "Sehenswertes & Sehenswürdiges" wird Ihnen die Kirche in ihrer heutigen Form dargestellt. Sie können die Infos direkt unterhalb, im Downloadbereich aufrufen.