Die Pfarrkirche 1886


Die Pfarrkirche von 1886

Mitten im preußischen Kulturkampf wurde 1884 Julius Falter Hilfsgeistlicher in Freienohl. Pfarrverwalter blieb zunächst noch Pfarrer Berens aus Rumbeck; erst am 17.12.1886 wurde Falter Pfarrer in Freienohl.

Schon 1884 schrieb er in seine Chronik:

"Bei meiner Ankunft war alles wüst und leer. [...] Doch mehr noch vernachlässigt als das Pfarrhaus war die Kirche. Über ein Menschenalter hinaus war schon kein Weißelquast mehr über die Wände gefahren, in dem Fußboden waren Löcher und Lampen hingen in allen Richtungen von den Wänden umher, so dass man mehr von einer Halle als von einer Kirche sprechen und den ‚Greuel der Verwüstung‘ des Propheten Daniel auf sie anwenden konnte. Es beschäftigt daher der Bau des Gotteshauses alle Gemüter. [...] Die Schwierigkeit lag nämlich in dem horror vacui (im Erschrecken vor der Leere), an dem Mangel an Geld. Die Gemeinde bestand [...] fast nur aus Tagelöhnern und war sehr arm. Es gab sehr wenige Leute, welche über drei Mark Kirchensteuer entrichteten und viele konnten auch diese nicht bezahlen. [...]"

Offensichtlich war auch, dass durch das Anwachsen der Bevölkerung der Kirchenraum zu klein geworden war. Die Kirchengemeinde zählte etwa 1500 Seelen. Aus den Nachbargemeinden Olpe, Bockum, Giesmecke und Wildshausen kamen auch Gläubige.

Im September 1884 empfahl Diözesanbaumeister Güldenpfennig, das Chor der Kirche abzubrechen und durch den Anbau eines Querschiffes mit neuem Chor zu ersetzen. Dieser Plan wurde wohlwollend aufgenommen und Güldenpfennig übernahm auch die Bauleitung.

Pfarrer Falter erwirkte eine Kirchen- und Hauskollekte. Zu der Erweiterung gab die Pfarrgemeinde 12.000 Mark. Maurermeister Kessler begann im März 1886 mit dem Teilabbruch. Am 11.4.1886 wurde der Grundstein des Erweiterungsbaus gelegt. An der Ostseite der Apsis, unter den vier Buchstaben PLJF [Parocho loci Julio Falter = Vom Pfarrer des Ortes Julius Falter], liegt die auf Pergament geschriebene Urkunde:

"Im Jahre 1886, am 11. April, nach feierlich abgehaltenem Gottesdienst, wurde unter der Regierung Seiner Majestät Wilhelm I., des deutschen Kaisers, des Oberpräsidenten von Hagemeister in Münster, des Regierungspräsidenten von Rosen in Arnsberg und des Landraths Freusberg daselbst, unter dem Amtmann Enser in Freienohl und unter dem Pontificate Seiner Heiligkeit Leo XIII. und dem Bischofe Dr. Drobe in Paderborn, unter dem Dechanten Böller in Hellefeld, vor der versammelten Gemeinde von dem zeitigen Ortspfarrer Jul. Falter, unter Assistenz des Unternehmers Kessler der Grundstein zum Erweiterungsbau der Kirche gelegt: Gott zur Ehr, der Gemeinde zur Wehr, der Freiheit zur Zierde gar sehr."

Nach dem Erweiterungsbau diente der Hochaltar, von einem Paderborner Künstler geschaffen, als Brennholz für die Kirche, die anderen Altäre und die Kommunionbank wurden zerschlagen und verbrannt. Eine Figur des Hl. Johannes verbrannte im Backofen des Metzgermeisters Neise. Kein Mensch gebot damals diesem Vandalismus Einhalt. So schmückten "St. Nikolaus" keine alten Kunstgegenstände.

Eine Marienstatue aber hat den Freienohler Bildersturm schadlos überstanden. Es kann sein, dass sie schon vorher in die Friedhofskapelle gebracht wurde oder kurz danach. Im/nach dem zweiten Weltkrieg, als die Friedhofskapelle als Leichenhalle benutzt wurde (1939 - 1945), schaffte man sie zunächst in die Sakristei, später in das ehemalige Schwesternhaus (alter Kindergarten). Gleich nach seinem Amtsantritt (1949) ließ Pfarrer Dolle die Statue gründlich überholen und in die Kirche zurückversetzen. Seit 1963 steht sie sogar unter Denkmalschutz.

Der neue Altar wurde 1888 nach dem Muster des Hochaltars in Anröchte hergestellt und soll aus 4000 Eisenteilen zusammengestellt sein. Er stammte aus der Schmiedewerkstatt des Schlossers Eikel in Paderborn

Am 28. Oktober 1886 wurde die Kirche in ihrer heutigen Form durch den Pfarrer und Landdechanten Böller aus Hellefeld feierlich eingeweiht. Am 223. September 1890 wurden der neue Altar und die Kirche durch Weihbischof Augustin Gockel feierlich konsekriert. Gleichzeitig wurde eine Nikolaus-Statue in der Nähe des Portals aufgestellt. Diese Figur stammte aus der Werkstatt des Bildhauers Kappen in Werl.

Die Kosten für den Erweiterungsbau betrugen insgesamt 54.000 Mark. Mit eigenwilligem Kunstverständnis begabt, lag Pfarrer Theodor Dolle (1949 - 1960) die künstlerische Ausgestaltung des sakralen Kirchenraumes sehr am Herzen. Davon zeugen die Kirchenfenster, deren Bildinhalte er mit dem Kunstmaler Wilhelm Rengshausen aus Lünen festlegte. Auch der holzgeschnitzte Kreuzweg und neue Kirchenbänke wurden durch Pfarrer Dolle angeschafft. Einige Holzskulpturen, die bei der Erweiterung der St. Nikolaus Pfarrkirche entfernt und eher zufällig nicht vernichtet worden waren, ließ er erneuern. So

  1. Ein Vesperbild, Barock, nach gotischem Vorbild
  2. Ein Kruzifix (17. Jahrhundert). die ursprüngliche Fassung wurde wieder freigelegt und ergänzt.
  3. Eine Madonna (s.o.).

In dem Bericht zur Denkmalspflege wird diese wie folgt beschrieben: "Madonna mit Kind, Anfang des 18. Jahrhunderts, Höhe 140, vorzüglich erhalten, Urfassung freigelegt, gesichert und retuschiert, Gewand weiß mit Goldborte, Mantel blau mit goldenen Blumen, Futter, rot; schönes Inkarnat [weiß-roter Farbton der Haut]; die Ausführung bewirkte die Firma Ochsenfarth, Paderborn."

Mit Energie betrieb Pfarrer Bernhard Hagemeyer (1960 - 1983) die Umgestaltung der Kirche. Für die Kirche wurde ein neues Taufbecken angeschafft und eine schmiedeeiserne Kommunionbank, die Umgestaltung des Chorraums der Kirche mit dem Altar im Vordergrund, darüber das Triumphkreuz, an der Chorrückwand der neue Tabernakel aus Bronze in der Form eines Sakramentshauses. Die Außenwände der Kirche wurden mit einem neuen hellen Verputz versehen, der Kirchenplatz fand mit hellgrauen Waschbetonplatten und mit Grünanlagen eine würdige Gestaltung. Mit Rücksicht auf die räumlich große Ausdehnung der Gemeinde wurde inmitten der Grünanlagen bei der Kirche ein Parkplatz angelegt.

Nie wieder wurde das neue Gotteshaus so vernachlässigt, wie dies in der Vergangenheit zum Ruin der Kirche geführt hatte. Die letzte große Innenrenovierung war 1995.

Der Kirchplatz war früher, wie in den meisten Gemeinden, Begräbnisstätte, Friedhof.