Freienohl und die Hanse


Im 13. Jahrhundert eroberte in aufblühenden Städten allenthalben ein selbstbewusstes Bürgertum führende Stellungen und hansische Kaufleute schufen einen geradezu modernen Wirtschaftsraum.

Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hatte sich die in der Hanse herausgebildete hierarchische Struktur organisatorisch verfestigt. In Westfalen unterschied man zunächst die vier Vororte Dortmund, Soest, Münster und Osnabrück. Die Ausrichtung der nachgeordneten Städte auf diese Vororte richtete sich in der Regel nach den Territorialgrenzen. Dabei spielte es für die kurkölnischen Städte keine Rolle, dass Soest nach der Soester Fehde nicht mehr zum Herzogtum Westfalen gehörte. Zum Vorort Soest gehörten u. a. die Beistädte Lippstadt, Werl, Arnsberg, Brilon und Rüthen. Der Beistadt Arnsberg unterstanden als zugewandte Orte u. a. die Städte Eversberg und Grevenstein sowie die Freiheit Freienohl.

Die Mitgliedschaft in der Hanse bedeutete für die kleinen Städte und Freiheiten eine große Belastung, da ihnen die Zahlung der Beiträge nicht leicht fiel. Von ihren Bürgern kam wohl kaum jemand in die Lage, den Schutz, den die Hanse in fremden Ländern gewährte, in Anspruch zu nehmen. Trotzdem sahen die kleinen Städte die Mitgliedschaft in der Hanse als nützlich an. Durch sie erfuhr z. B. Freienohl, das wirtschaftlich ganz auf Soest ausgerichtet war, dort einige Vergünstigungen. Freienohler konnten nämlich als Einwohner einer Hansestadt in Soest das Recht auf Detailhandel in Anspruch nehmen, Rechtsschutz genießen und sich freiere Bewegungsmöglichkeiten und Zollvergünstigungen erfreuen. Im Vordergrund standen auch die Erleichterungen, die sich bei der Regelung von Nachlass- und Erbschaftsangelegenheiten ergaben. Zahlungsunwilligen Städten wurde in erster Linie damit gedroht, dass künftig kein Erbgut ausgeliefert werde.

Nach dem Bürgerbuch der Stadt Soest haben in der Zeit von 1311 bis 1437 etwa 15 Personen mit dem ihre Herkunft andeutenden Zunahmen Freienohl in dieser Stadt das Bürgerrecht erworben. Bemerkenswert ist, dass bereits während der Aufbauphase Freienohls eine ganze Reihe von Einwohnern wieder abgewandert und dem Sog der Großstadt gefolgt sind. Dabei handelte es sich sicher nicht um die verarmte Unterschicht, denn diese hatte in Soest keine Chance, das Bürgerrecht zu erwerben.

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