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Hitorische Notizen (18. Jh.)


Infolge der geistlichen Herrschaft der Kölner Fürstbischöfe blieb Westfalen von manchen norddeutschen Kriegsereignissen verschont. Doch hatten die Menschen damals häufiger unter Bränden, Naturkatastrophen und Hungersnöten zu leiden. In den alten Kirchenbüchern finden sich manche Notizen über außergewöhnliche Ereignisse.

So heißt es im Jahre

1699:
"In diesem Jahr auf S. Mariae Magdalenae Tag [22. Juli] ist gewesen der große Brand, welcher in Bergobs Haus angefangen und bei starkem Westwind schier die halben Häuser der Freiheit in wenigen Stunden verzehrt und eingeäschert hat. - Deus avertat in posterum
[Gott möge uns in der Zukunft davor bewahren]."

"Anno 1709,
den 5. Januar ist eine so erschröckliche Kälte eingefallen, daß viel Wildbret und zahmes Vieh, auch allerlei Vögel haufenweise erfroren, ebenmäßig viele Menschen draußen, daheim, sogar in Betten vor Kälte krepiert. Obst- und Waldbäume sind vom Gipfel bis in die Wurzeln fußbreit aufgerissen. Die kleinsten Waldsiepen sind vom [...] Eis so aufgeschwollen, daß Menschen und Pferde
[...] darinnen versunken. Alles, auch in gewölbten Kellern wird verderben von Frost. Summa: man hat durch die Wettergläser erfahren, daß dies Jahr hiesiger Orten so große Kälte gewesen als in Grönland, und ist dieser grimmige Frost gestanden bis den 26. Januar.".

"Anno 1710,
11. Marty, zwischen eins und zwo Uhr nachts seindt die Häußer Johannes Heerken, Krämer, Kleinschmidt und Schröers durch Feuersbrunst zu Grunde gegangen. Der Anfang dieses Feuers war in Krämers Hause, da selbiger im Backofen, über welchem Holz gelegen, Potasche calciniert und laugt haben. Die Inwohner seindt noch schlafend befunden bei schon aufkommendem Feuer."

Aus dem älteren Taufbuch von 1651, S. 95: „Treibeis, 1716,
9. Februar, hat das gewaltige Eis, so 1 ½ auch 2 Fuß dick, unsere beiden Brücken ruiniert. Die Plasterbrücken schwamm aus, mangels der Eisbäume, an der Langelsbrücke wurde ein Eisbaum gleich anfangs zerschmettert und folgendes: Ein Schrank, mit 8 Bürgern ins Wasser geworfen, so doch alle errettet, und einer mit Holz bis an die Rümpke geflossen, auch daselbst glücklich herausgezogen. Unterdes ist zwischen der Plasterbrücke, Schweiers Kamp, Winkelmanns Wiese alles, alles mit hohem Eis, auch die Wiesen im Ohl, teils halbe, teils ganze Mannslänge tief mit dicken Eisschollen überlegt, im Langel, unter dem Möllenberg, auf Mühlenwehrt desgleichen; solches war in den ältesten Zeiten nicht geschehen."

"Anno 1738,
den 14. Novembris, seynd durch Feuersbrunst eingeäschert worden die 2 Häuser Peters und Schallmanns, da der Brand in Peters Backhaus folgende Weise angegangen: Die Mädchen nämlich haben darin Flachs gebracht und da ein Funke von den Lampen in die Scheune gefallen und die andere zu der rechten Magd gesagt, sie solle es tottreten, sagte die, sie wolle sich erst wärmen, nachher stürzte dann die Scheune zusammen, da es dann sogleich überhand genommen."

Wegen der damit verbundenen Feuersgefahr wurde bald darauf vom Landesfürst das Flachsrösten in Backöfen verboten.

Maximilian Franz, der letzte Kölner Fürstbischof (1784-1801)

Frischer Wind im Sauerland

Unter Maximilian Franz, dem jüngsten Sohn der Kaiserin Maria Theresia, hat das Herzogtum Westfalen auf fast allen Gebieten neuen Anschluss an die Nachbarstaaten gefunden. Bis ins kleinste ging die Fürsorge des Fürsten: Er steuerte dem Raubbau des Waldes entgegen, er erließ die erste Gebührenordnung für Ärzte, er sorgte für eine bessere Ausbildung von Ärzten und Hebammen, er ordnete 1786 die Verlegung der Friedhöfe aus den Städten und Dörfern an. Ein Arzt durfte z. B. für die Untersuchung im Haus eines Kranken 15 Stüber nehmen und bei einem Besuch eines auswärtigen Kranken 4 Reichstaler, wenn er und sein Pferd völlig freigehalten wurden.

Aber eins hat er nicht erreicht: Sofern die vorliegenden Berichte vollständig sind, gab es damals im ganzen Herzogtum Westfalen noch kein einziges Krankenhaus. Als daher in Attendorn eine Wahnsinnige ein Haus in Brand gesteckt hatte, konnte man sich vor ihr nur dadurch schützen, dass ihr die Gemeinde unter großen Kosten einen Wärter hielt. Unter Maximilian Franz erhielt das Sauerland seine erste Lehrerausbildungsanstalt. Sie ist im Jahre 1794 von dem Pfarrer Sauer zu Rüthen ins Leben gerufen worden. Die in Rüthen ausgebildeten Lehrer haben später in ihren Wirkungsorten viel zu dem Fortschritt beigetragen, der nach einigen Jahren fast überall festgestellt werden konnte.

Abwehrmaßnahmen gegen revolutionäre Tendenzen

Die bevorrechteten Stände, insbesondere die Ritterschaft, verschlossen sich vor den fortschrittlichen Ideen, die von Frankreich aus die Welt eroberten. Um so erstaunlicher ist es, dass gerade ein Aristokrat aus einem alten und mächtigen Geschlecht wertvollen Gedanken der neuen Zeit Eingang in seinem Lande verschaffen wollte.

Vielleicht hoffte er, auf diese Weise eine Revolution wie in Frankreich verhindern zu können. Aber mancher Bauer wollte mehr, als die Reformen des Kurfürsten ihm gewährten. Das geht aus einem kurfürstlichen Erlass aus dem Jahre 1794 hervor, in dem es heißt, „dass in verschiedenen Gegenden unseres Herzogtums einzelne Untertanen durch unrichtige Begriffe geblendet, sich einfallen lassen, eigenmächtig und willkürlich sich ihren anerkannten Verbindlichkeiten und schuldigen Abgaben und selbst dem Gehorsam gegen ihre vorgesetzte Obrigkeit zu entziehen und dass sogar hin und wieder pflichtvergessene Untertanen sich ein Geschäft daraus machen, ihre Mitbürger durch Verbreitung ihrer ruhestörenden Gesinnungen zu gleicher Widersetzlichkeit gegen ihre Vorgesetzten und zu strafbaren Eigentaten zu verleiten.“

Maximilian Franz wollte zwar dem Neuen den Weg bereiten, aber seine Reformen sollten sich in dem vorhandenen politischen Rahmen bewegen. Der Adel sollte im wesentlichen seine Vorrechte behalten. Der Fürst war kein weitschauender Geist, der sich über die Anschauungen seiner Zeit hätte erheben können.

Es war am 2. Oktober des Jahres 1792, als der letzte Träger des Kölner Kurhutes seine Residenzstadt Bonn vor den anrückenden französischen Revolutionsarmeen verlassen musste. Sein Weg in die Verbannung führte ihn u. a. 1794 auch nach Arnsberg. Hier hatte das Kölner Domkapitel Zuflucht gefunden; auch die Gebeine der Hl. Drei Könige und andere Kostbarkeiten hatte man nach Arnsberg in Sicherheit gebracht. Die Arnsberger Propsteikirche vertrat damals die Kölner Kathedrale, deshalb wurde sie als Bischofskirche mit Thron und Baldachin ausgestattet.

Durch die Napoleonischen Kriege verlor das Deutsche Reich das linke Rheinufer an Frankreich. Im Frieden von Lunéville (1801) hatte man die schon 1795 bzw. 1797 die von Preußen und Österreich gebilligte Abtretung des linken Rheinufers festgeschrieben. Die dadurch enteigneten weltlichen Fürsten sollten durch Einziehung geistlicher Territorien, Bistümer und Abteien entschädigt werden. Im Reichsdeputationshauptschluss (RDH) 1803 wurden insgesamt 23 Bistümer und 19 Abteien säkularisiert (verweltlicht) und bis auf wenige Ausnahmen die Reichsstädte und Reichsstände mediatisiert. und bis auf wenige Ausnahmen die Reichsstädte und Reichsstände mediatisiert.

Das Fürstbistum Köln (und damit das Herzogtum Westfalen) fiel an Hessen-Darmstadt.