Eversberger Rathaus
Neben der 700 Jahre alten frühgotischen Kirche mit dem mächtigen Barockturm (1711) ist der Stolz der Stadt Eversberg das am Markt gelegene altehrwürdige Rathaus, der weltliche Mittelpunkt der Gemeinde.
Das Bauwerk ist im unteren Stock massiv, im oberen aber in Fachwerk errichtet. Im Laufe der Geschichte änderte sich nicht nur das Aussehen des Rathauses, sondern auch seine Funktion. Das Rathaus entstand im Jahre 1750 unter dem Bürgermeister Jodokus Leiße.
Neben dem Gebäude lag früher, auf dem Platz, wo jetzt das Kriegerdenkmal steht, der im Jahre 1811 angelegte Schulgarten. Er war die Baumschule des Schulleiters und diente ihm zur Belehrung der Kinder im Obstbau.
Die Front des Rathauses zieren zwei Trophäen aus alter Zeit: Der mächtige Kopf eines Ebers, das Wappentier der Stadt und ein altes Hirschgeweih mit den dazugehörigen Läufen. Die Tafel, die den Eberskopf trägt, hat die Inschrift: „Anno 1764 den 27. Januari ist dieses Schwein von den Eversbergern gefangen“. Auf der Tafel mit dem Hirschgeweih steht: „Dieser Hirsch ist von unseren Bürgern im Februari geschossen und gefangen und die Gewichter an unser Rathaus genagelt worden. Eversberg, 23. Februar 1762.“
Das Wappentier, den Eber, zeigt auch die das Dach krönende Wetterfahne; eine zweite Wetterfahne stellt einen Engel dar, der die Waage der Gerechtigkeit in der Hand hält. Das beweist, dass das Rathaus ursprünglich nur der Gerichtsbarkeit und der Regierung der Stadt diente.
Erst nachdem die alte Schule im Westteil der Stadt, in der Nähe des jetzigen Pfarrhauses, im Jahre 1795 abgebrochen worden war, wurde das Rathaus nebenher für Schulzwecke benutzt. Mit anwachsender Schülerzahl dehnte sich die Schule im Rathaus derart aus, dass die Ratssitzungen über einen langen Zeitraum sogar in Privathäusern stattfanden. Dieser Zustand wurde aber durch den Bau der jetzigen Schule im Jahre 1912 beendet.
Das untere Stockwerk des Rathauses diente als „Spritzenhaus“, als „Wachtstube“ (Wächterraum) mit einem großen Schrank (städtisches Archiv) und als Gefängnis. Im Spritzenhaus standen die beiden städtischen Feuerspritzen; ferner hingen dort 54 lederne Feuereimer. 1812 baute man an der Ostwand des unteren Stockwerks ein schmales, langes Schieferdach, unter dem die Feuerleitern und -haken lagen. Dort blieben sie auch, bis 1930 der Feuerwehrturm gebaut wurde.
Die heutige Freitreppe am Rathaus entstand bei einem gründlichem Umbau des Gebäudes im Jahre 1928. Schon in alten Zeiten hatte sie eine große steinerne Vorgängerin, die aber 1813 abgebrochen wurde, weil die Kinder im Winter leicht darauf fielen. Sie wurde für 60 Taler verkauft. So war das Eversberger Rathaus von 1813 bis 1928 ohne Freitreppe und hatte den Eingang zu ebener Erde. Ein bedauerlicher Fehler beim Neubau war, dass nicht in der Front der hohen Freitreppe eine Eingangstür in das Erdgeschoss angebracht wurde, wie es bei ähnlichen Freitreppen alter Rathäuser (Rüthen, Lippstadt) der Fall ist.
Seit 1912 (Bau der neuen Schule) stand das Rathaus leer und wurde abwechselnd als Jugendherberge, Notwohnung, Versammlungsraum des Jünglingsvereins, Theatersaal und mancherlei mehr benutzt. 1928 wurde es von der Sparkasse und der Stadtkasse bezogen.
