Die Geschichte der Halloh-Kapelle


Halloh-Kapelle

Die Flurkapelle auf dem "Halloh"

Die bekannteste unter den Flurkapellen des Kirchspiels Calle ist sicherlich die auf dem Halloh. Schon der Name "Halloh" ist vielsagend, - für eine Wallfahrtsstätte aber auch seltsam.

 

Etymologisch läßt sich das Wort auf die beiden Bestandteile Hal- und loh- zurückführen. Loh ist eindeutig. Das Wort hängt mit dem lateinischen lucus zusammen und bezeichnet daher einen Hain, ein Gehölz. Man muss daher annehmen, dass der Ort wenigstens an seinen Abhängen ursprünglich mit Bäumen bestanden war und nur eine licht geschlagene Stelle auf der Höhe hatte.

 

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass das "Halloh" eine altgermanische Opferstätte war.

 

Uralte tiefe Hohlwege, die zur Höhe hinaufführen, zeigen, dass schon in vorchristlicher Zeit das "Halloh" eine Rolle im Leben der Gemeinde gespielt haben muss. Heute noch treffen sich auf der Höhe, unweit der Kapelle, vier Straßen. Zwar sind es nur bessere Feldwege, die aber offenbar früher eine größere Bedeutung gehabt haben.

Station des Soester Todesweges

Das "Halloh" war (etwa um 1200) Station des großen Soester Totenweges, auf dem die verstorbenen Fürsten und Adeligen von der Wittekindburg in Soest über Hiddingen, Körbecke, durch den Arnsberger Wald nach Wildshausen, von da über Bockum zum "Halloh", weiter dann durch das Wennetal über Blessenohl, Wenholthausen, Bremke, Dorlar nach Wormbach, dem Hauptort des Gaus, überführt wurden. Der Trauerzug rastete auf dem"Halloh".

 

Die Sage berichtet:

Der Ritter Thimo, Sohn der bösen Gräfin Cunitza von Burg Noderne (Nordenau), hatte von einem Kreuzzug ein Säckchen Erde aus dem Heiligen Lande mitgebracht, die auf dem Wormbacher Friedhof ausgestreut wurde. Darum brachte man von weither die Toten nach Wormbach, um sie in heiliger Erde zu bestatten.

Altar in der Halloh-Kapelle, Foto

Hexenprozesse

Auch zur Zeit des Hexenwahns, der unter den Kurfürsten Ernst und Ferdinand von Köln zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges wütete, war das "Halloh" stummer Zeuge von Kummer und Leid.

Vieles von dem, was der Heimatforscher Franz Wiesehöfer hierzu zusammengetragen hat, mag Sage, Legende sein. Allerdings sind Hexenprozesse in Calle offensichtlich nachweisbar, wenn auch nicht quantifizierbar. Die letzte Frau, die hier dieses furchtbare Schicksal erleiden musste, soll eine Bäuerin gewesen sein, die wohl den Namen "Butterhexe" erhalten hatte.

Die Überlieferung berichtet:

missgünstige Nachbarn und Nachbarinnen hatten ihr vorgeworfen, dass sie aus der Milch ihrer Kühe viel zu viel Butter herstellen könne und dass ihr das selbst in der Hitze des Sommers gelinge. Das sei der Dank des Teufels für geheime sündhafte Dienste, die sie ihm in dunkler verschwiegener Nacht gewähre. Sie wurde zum Feuertode verurteilt, zum Halloh hinaufgeschleppt und auf den Scheiterhaufen gestellt. Alle Beteuerungen ihrer Unschuld verhallten ungehört.

 

Da hob sie in letzter Not verzweifelnd ihre Hand empor und flehte zu Gott, er möge den Menschen kundtun, dass sie unschuldig ihren furchtbaren Tod erleide. Dann starb sie. Aus der Asche ihres Leibes und des Scheiterhaufens spross ein Lindenbäumchen auf, wuchs empor und niemand beachtete es. Als es zu einem stattlichen Stämmchen geworden war, teilte sich seine Krone in fünf gleich starke Äste.

 

Von Jahr zu Jahr wurden sie stärker, und immer mehr glich das Bäumchen einer emporgereckten Hand mit ausgestreckten Fingern; und wenn der Wanderer auf dem Halloh verweilt, dann hört er in den Zweigen Stimmen, die wie Bitten und Anklagen sind. - Dann soll er fromm der Seele der letzten armen Hexe vom Halloh und aller anderen gedenken, die hier eines Wahnes wegen unschuldig sterben mussten.

Krücken von Pilgern in der Kapelle, Foto

Errichtung der Kapelle 1686

Im Jahre 1686 wurde auf dem "Halloh" eine Kapelle errichtet; doch ist nach Deutung der Stiftungsurkunde (26.12.1686) für diese Kapelle von einer "Vorgängerin" auszugehen.

Nach der Überlieferung befindet sich die neue Kapelle an der Stelle, wo früher der Scheiterhaufen flammte. Stifter war nach der Urkunde der kurfürstliche kölnische Richter zu Calle, Meschede und Remblinghausen Ferdinand Wedemhofe und seine Frau Brigitte Elisabeth "zur Förderung christlicher Andacht und zum Seelenheil ihrer Familien" [...] "zu Ehren des Allmächtigen und zum Gedächtnis des Leidens und Sterbens Christi und des Mitleidens und der Schmerzen der allerseeligen Jungfrau Maria und ihres Bräutigams, des hl. Josefs, und der hl. Barbara".
Verbunden war die Stiftung der Kapelle mit genau festgelegten Messstipendien für die Familie (alle Jahre auf jedem Freitag in der Fastenzeit in derselben Kapelle, deren drei von einem Pastor und drei von einem Vikar gehalten werden sollten).

Man weihte die Kapelle also der schmerzhaften Mutter, deren Fürbitte man die armen, auf dem "Halloh" Gestorbenen empfehlen wollte. Das "Halloh" wurde zum Wallfahrtsort. Fromme Menschen pilgerten hierher und Kranke ließen nach erlangter Gesundheit die Krücken, die sie getragen hatten, zurück.

Ort für Hinrichtungen

Das "Halloh" war auch der Ort, an dem der Galgen stand, an dem die Verbrecher hingerichtet wurden. Die Bohrlöcher, in die die Pfosten eingesenkt waren, sollen auf der Höhe des Berges immer noch andeutungsweise zu sehen sein..

Die Hinrichtungsstätte mag schon in heidnischer Zeit hier gewesen sein; denn die germanischen Opferstätten waren in der Regel zugleich Hinrichtungsstätten. Wie lange hier Hinrichtungen stattgefunden haben, ist nicht genau nachweisbar.

Ein Landwirt Auf ther Beck aus Fischbeck, der Gerichtsschöffe war, wurde schließlich von der Kurkölnischen Regierung beauftragt, den Galgen auf dem Halloh abzubrechen.

Auf der Waller Flur am "Halloh" wurden nach alter Überlieferung auch die am "Schwarzen Tod" (Pest) Gestorbenen, zur letzten Ruhe gebettet. Im Laufe der Zeit wurden Kreuze und Statuen der Heiligen errichtet.

Von Calle, Wallen, Ober- und Niederberge führen Kreuzwege zur Höhe der geweihten Stätte. Vor den jetzigen Caller Kreuzwegstationen aus Stein waren solche aus Holz da. Es war das Verdienst des Pfarrers Eduard Droll in seiner nur dreijährigen Amtszeit (1931 - 1934) die Kreuzwege von Calle und Wallen zum Halloh instand gesetzt bzw. erneuert zu haben. Auf seine Initiative hin wurde die Kapelle 1936 erweitert, auch wenn er zu dieser Zeit nicht mehr Pfarrer in Calle war. Am 9. Juli 1934 mußte er auf Weisung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) die Pfarrei Calle verlassen.

An dem Kreuzweg von Oberberge steht ein Heiligenhäuschen mit der Figur des geduldigen Hiob.

Noch heute versammeln sich alljährlich bei besonderen Anlässen die Gläubigen der Pfarreien Calle, Wennemen und Berge zu gemeinschaftlichem Gebet auf dem "Halloh", um dafür zu bitten, dass sich das Schicksal und die Nöte der vom Leid geschlagenen Menschen zum Guten wenden mögen.

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