Die geographische Lage


Längen- und der Breitengrad

Ländergrenzen sind stets gut markiert, und auch innerhalb eines Staates sind von den Kreisen und oftmals auch von den Städten „Grenzsteine“ an den Landstraßen aufgestellt worden. Jeder Baum gehört irgend jemandem. Alles ist genau abgegrenzt und administrativ gegliedert.

Mit Hilfe von Schlüsseln (= statistische Kennziffern) findet man selbst das kleinste Nest. Zu diesen administrativen Gliederungsschlüsseln gehört ein Koordinatenschlüssel. Er ist zur Bestimmung der geographischen Lage einer Gemeinde im Bundesgebiet da und stützt sich auf das Gauss-Krügersche-System. Er besteht aus acht Stellen, einem vierstelligen Rechtswert und einem durch Querstrich getrennten, ebenfalls vierstelligen Hochwert. Der Hochwert entspricht der genauen Entfernung vom Äquator.

Danach beträgt die Entfernung von Meschede zum Äquator 5.689 km. Der sogenannte Rechtswert gibt die Entfernung vom Hauptmeridian eines der jeweils drei Grad breiten Meridianstreifen an, wobei die erste Ziffer des Rechtswertes den Meridianstreifen kennzeichnet. Bei Gemeinden, die aus mehreren Wohnplätzen bestehen, ist die Lage des Gemeindehauptortes im Gauss-Krügerschen-Koordinatensystem angegeben.

Das größte Netz der Welt...

... umspannt die ganze Erde. Seine Maschen sind trotz der Größe unverrückbar, reißen nicht und sind nummeriert; nur sehen können wir sie nicht. Kein Grenzstein kennzeichnet den Längen- und Breitengrad auf dem eine Stadt liegt. Obgleich auf fast allen Landkarten die Längen- und Breitengrade genau so eingezeichnet sind wie die Entfernungsziffern und Landesgrenzen, bleiben die Längen- und Breitengrade in Wirklichkeit als Grenze unsichtbar.

Als die Alliierten 1945 das Deutsche Reich aufteilten, zog man die Grenzen nicht nach Breitengraden, sondern hauptsächlich nach Flüssen. Als Korea wenige Jahre später ebenso geteilt wurde, mußte ein Breitengrad herhalten. Der 38. Breitengrad ist seitdem in die Geschichte eingegangen. Es ist der gleiche Breitengrad, der in seiner Verlängerung Sizilien und den Süden Spaniens berührt.

"Durch die Angabe seiner geographischen Länge und Breite ist die Lage eines Ortes auf der Erdoberfläche bestimmt"; so steht es im Lexikon oder Erdkundebuch geschrieben. Man hört in Gesprächen oft den Ausdruck: "in unseren Breiten...." Bekanntlich wird die Erde in 180 Breitengrade (2 x 90 vom Äquator an gemessen) und 360 Längengrade (Meridiane) aufgeteilt. Der Raum zwischen den einzelnen Graden wird nach 60 Minuten und diese wiederum nach 60 Sekunden berechnet. Mit unserer Uhrzeit haben diese Angaben jedoch nichts zu schaffen.

Dass wir nördlich des Äquators wohnen, dürfte allgemein bekannt sein. Nicht alle Menschen können jedoch sofort sagen, ob wir westlich oder östlich eines Längengrades wohnen. Unser Bundesgebiet liegt zwischen dem 6. und 14. Längengrad östlich Greenwich (Null-Meridian) und dem 47. und 55. Grad nördlicher Breite. [55 Breitengrad schneidet die Insel Sylt]. Ihr "feeling" läßt hier die meisten Menschen vermuten, wir lägen in etwa auf der gleichen Breite wie New York oder Washington. Weit gefehlt! Dies trifft eher für Madrid zu. Mit uns auf gleicher Breite liegen auf der anderen Seite der Erde der äußerste Norden der USA und der Süden Kanadas sowie Neufundland; auf der östlichen Erdkugel die Insel Sachalin und Südsibirien.

Verfolgt man die Längengrade, die uns berühren, kommt man entweder nach Süd-Norwegen oder nach Nigeria und Kamerun.

Unter tausend winzigen Punkten der Landkarte heißt einer "Meschede". Nach den meteorologischen Messungen liegt der geographische Ortsmittelpunkt der Stadt Meschede: 51° 20‘ n. Br. 8° 15‘ ö Lg. auf unserer Erde. Die Grade werden durch einen zur Zahl hochgestellten kleinen Kreis gekennzeichnet und die Minuten durch einen Strich. (Zwei Striche geben die Sekunden an). Die Entfernung von Grad zu Grad beträgt bei den Breitengraden 111 km Luftlinie und es läßt sich leicht ausrechnen, wie weit es von unserer Stadt bis zum Äquator oder den Polen ist (s. o.), da jeweils 90 Breitengrade nördlich und südlich parallel zum Äquator in fast immer gleicher Breite verlaufen. Schwieriger ist die Berechnung der Längengrade, deren Zwischenraum am Äquator am größten und an den Polen gleich Null ist. An den Grenzen im Süden Deutschlands beträgt der Zwischenraum der Längengrade etwa 75 km Luftlinie, auf der Höhe von Köln, am 51. Breitengrad, sind es 70 km und ganz oben im Norden, bei Flensburg, beträgt die Entfernung nur noch 65 km Luftlinie zwischen den einzelnen Längengraden.

Einführung der MEZ

1893 wurde die Mitteleuropäische Zeit  (MEZ) eingeführt, und zwar durch Gesetz vom 12. März, wonach die „Mittel-Europäische Zeit“ als Einheitszeit für ganz Deutschland bestimmt wurde. Hiernach war es 12 Uhr mittags, wenn die Sonne über dem 15. Längengrad östlich Greenwich ihren höchsten Stand erreichte. Die Sonne „wandert“ in vier Minuten von einem Längengrad zum anderen. Wenn die Sonne den „Görlitzer Meridian“ (15 Grad östlich Greenwich) erreicht, hat sie ihren höchsten Stand in allen östlich gelegenen Orten bereits überschritten und in allen westlich des 15. Längengrades gelegenen Orten noch nicht erreicht.

Nach dem örtlichen Sonnen-Höchststand und im Vergleich zur MEZ sind die Uhren im Bundesgebiet zu früh für die Ortszeit, da das Bundesgebiet zwischen dem 6. und dem 14. Längengrad östlich Greenwich liegt. Wenn es 12.00 Uhr MEZ ist, ist es in Hamburg (10° ö Lg) erst 11.40 Uhr „Hamburger Ortszeit“, da die Sonne vom 15° ö Lg bis zum 10° ö Lg fünf Längengrade zu je 4 Minuten Dauer durchlaufen muß. Bis die Sonne in Hamburg ihren höchsten örtlichen Stand erreicht hat, vergehen somit noch 20 Minuten im Vergleich zur MEZ. Bei Köln, am 7. Längengrad, ist es ähnlich, da die Sonne 8 Längengrade durchwandern muß, wozu sie 32 Minuten benötigt.

12.00 Uhr MEZ ist also 11.33 Uhr Mescheder Ortszeit, da Meschede auf dem Längengrad 8° 15‘ ö Lg liegt. Bis die Sonne hier ihren höchsten Stand erreicht hat, benötigt sie noch etwa 27 Minuten nach ihrem Durchgang durch den 15 Längengrad. Wenn also in der Silvesternacht in Meschede die Neujahrsglocken erklingen, in den Straßen Feuerwerkskörper zischend, knallend und funkensprühend den Jahreswechsel ankündigen, dann hat - genaugenommen - das neue Jahr in Meschede noch gar nicht begonnen.

Die 360 Längengrade der Erde werden in Zeitzonen aufgeteilt. Für Europa sind die WEZ, MEZ und OEZ, also west-, mittel- und osteuropäische Zeitzonen mit jeweils einer Stunde Zeitunterschied maßgebend. Die „Weltzeit“ gibt der Null-Meridian an; und 12.00 Uhr Weltzeit ist es, wenn die Sonne durch den oberen Null-Meridian bei Greenwich (England) geht. Die Weltzeit ist mit der WEZ identisch. Wenn es im Bundesgebiet 13.00 Uhr ist, ist es genau 12.00 Uhr Weltzeit. Um die gleiche Zeit ist es in New York 7.00 Uhr morgens, 10.00 Uhr auf den Azoren-Inseln, 15.00 Uhr in Moskau, 21.00 Uhr in Japan und Korea und 2.00 Uhr nachts in Alaska.

MEZ - oder wann ist in Meschede Mittag?

Na, das ist doch ganz klar und eindeutig zu beantworten ! Wenn die Kirchturmuhr 12:00 Uhr anzeigt und die Glocken entsprechend läuten, dann ist in Meschede natürlich Mittag.

Hätten Sie's gewusst ? (Die genaue Zeitangaben haben Sie natürlich bereits im vorhergehenden Artikel erfahren.)